Glas ist nicht gleich Glas. Je nach Einsatz – Fenster, Brüstung, Dusche, Dach, Fassade – braucht es andere Eigenschaften: Bruchsicherheit, Haltevermögen, Wärmedämmung oder Formstabilität. Dieser Überblick erklärt die wichtigsten Glasarten in der Sprache des Alltags, nicht der des Datenblatts.
Die fünf wichtigsten Glasarten
Im Glasbau begegnen Ihnen vor allem fünf Typen. Sie unterscheiden sich in Herstellung, Bruchverhalten und Einsatzbereich.
-
Floatglas: Das normale Flachglas. Klar und günstig, bricht aber in scharfe Scherben. Nur für Anwendungen ohne Verletzungsrisiko.
-
ESG (Einscheiben-Sicherheitsglas): Thermisch vorgespanntes Glas. Es ist bis zu fünfmal widerstandsfähiger als Floatglas und zerfällt bei Bruch in kleine, stumpfe Stückchen. Standard für Türen, Duschkabinen und viele Brüstungen.
-
VSG (Verbund-Sicherheitsglas): Zwei oder mehr Scheiben, mit einer Haftfolie verbunden. Nach dem Bruch hält die Folie die Scherben fest – das Glas bleibt in der Halterung. Pflicht-fähig dort, wo Glas über Kopf oder als Absturzsicherung eingebaut wird.
-
Isolierverglasung: Zwei oder drei Scheiben mit Distanzrahmen und Gasfüllung. Sie dämmt Wärme und ist der Standard bei Fenstern und beheizten Räumen.
-
Profilbauglas: U-förmig gebogene, selbsttragende Gläser für Fassaden und Trennwände. Lässt viel diffuses Licht ein und schützt vor Einblicken – unser Spezialgebiet.
Schnellübersicht: Welches Glas wofür?
Die folgende Übersicht ordnet die häufigsten Anwendungen der passenden Glasart zu. Sie ersetzt keine Beratung, gibt aber eine gute erste Orientierung.
Anwendung
Übliche Glasart
Warum
Duschkabine
ESG
Bruchsicherheit, leicht zu reinigen
Treppe / Galerie (Brüstung)
ESG oder VSG je Detail
Absturzsicherung, Bruchverhalten
Glasdach / Überkopf
VSG
Hält nach Bruch zusammen
Fenster beheizter Raum
Isolierverglasung
Wärmedämmung
Fassade mit Lichteinfall, ohne Einblick
Profilbauglas
Diffuses Licht, selbsttragend, wirtschaftlich
Trennwand Werkstatt
Profilbauglas
Robust, diskret, lichtdurchflutet
Worin unterscheiden sich ESG und VSG praktisch?
ESG ist die wirtschaftliche Wahl, wenn es auf Bruchsicherheit ankommt und das Glas nach dem Bruch fallen darf – etwa bei einer Duschkabine. VSG kommt zum Zug, wenn das Glas auch nach dem Bruch seine Position halten muss: über Kopf (Glasdächer, Vordächer) oder bei Absturzsicherungen, wo Trümmer niemanden treffen dürfen. Welche Ausführung in Ihrem Fall vorgeschrieben oder sinnvoll ist, klären wir bei der Planung – die Sicherheit geht immer vor.
Glas und Wärme: Worauf es am Balkon ankommt
Bei Balkonverglasungen geht es weniger um Wärmedämmung als um Wind- und Wetterschutz: Der verglaste Balkon ist in der Regel ein unbeheizter Zwischenraum. Entscheidend sind hier Formstabilität (ESG), ein sauberes System und gute Anschlussdetails. Für beheizte Wintergärten gelten andere Regeln – dort gehört gedämmte Isolierverglasung ans Thema. Wir beraten Sie ehrlich, was für Ihre Nutzung nötig ist und was unnötiger Aufwand wäre.
Häufige Fragen
Kurz beantwortet
Die Fragen, die uns zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
01Ist dickeres Glas immer besser?
Nein. Die Glasdicke wird nach Spannweite, Belastung und Einsatzzweck dimensioniert. Zu dickes Glas erhöht nur Gewicht und Preis, ohne Mehrwert. Entscheidend ist die korrekte Auslegung.
02Kann man Sicherheitsglas nachträglich erkennen?
Ja, in der Regel am Glasrand: ESG trägt eine eingebrannte Kennzeichnung («ESG» bzw. eine Normnummer), VSG zeigt den Aufbau als Scheibe mit Folienkern. Bei unsicherem Bestand prüfen wir das Glas vor Ort.
Fragen zu Ihrem Projekt?
Wir beraten Sie persönlich – mit Fotos oder Plänen erhalten Sie rasch eine erste Einschätzung.
Weiterlesen
